Der Maler

Am Ende der Straße, wo die Sternschnuppen hinfalln,
da steht ein buckliges Häuschen im Wind.
Hier wohnte der Maler Francesco bescheiden
mit der Freundin Henriette und dem Malzeug im Spind.

Oft waren die beiden verzweifelt und hungrig,
denn ihre Taschen warn leer wie ein Loch.
Dann malte er ihr sowas kleines, verrücktes
und mit knurrenden Mägen lachten sie doch.

Einmal, als ihnen fast schwarz war vor Augen,
malte Francesco ein duftiges Brot
und auf das Tischtuch den Milchkrug, die Früchte.
Sie aßen und tranken, vorbei war die Not. Weiterlesen

Rainer Maria Rilke: Gott, du bist groß

Gott, du bist groß.

Du bist so groß, daß ich schon nicht mehr bin,
wenn ich mich nur in deine Nähe stelle.
Du bist so dunkel; meine kleine Helle
an deinem Saum hat keinen Sinn.
Dein Wille geht wie eine Welle
und jeder Tag ertrinkt darin.

Nur meine Sehnsucht ragt dir bis ans Kinn
und steht vor dir wie aller Engel größter:
ein fremder, bleicher und noch unerlöster,
und hält dir seine Flügel hin.

AUS DEM BUCH VOM MÖNCHISCHEN LEBEN